{"id":332,"date":"2020-03-27T16:17:53","date_gmt":"2020-03-27T15:17:53","guid":{"rendered":"http:\/\/alefbet.z-g-a.de\/?p=332"},"modified":"2021-06-02T10:17:14","modified_gmt":"2021-06-02T08:17:14","slug":"das-neujahrsfest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alefbet.de\/?p=332","title":{"rendered":"Das Neujahrsfest"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. Geschichtliche Veranlassung. Der Tag der Erinnerung oder das Neujahrsfest bildet mit dem ihm folgenden Vers\u00f6hnungstag und den zwischen beiden&nbsp; liegenden Tagen eine Einheit, die auch unter der gemeinschaftlichen Benennung: die zehn Bu\u00dftage (asseret j&#8217;mi t&#8217;schuwa) zusammengefa\u00dft wird; darum gilt die geschichtliche Veranlassung zum Vers\u00f6hnungstag auch f\u00fcr Rosch Haschana. Diese Veranlassung ist folgende:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Israel hatte der Erl\u00f6sung aus \u00c4gypten und des am Sinai mit Gott beschlossenen Bundes bald vergessen und die gr\u00f6\u00dfte Verirrung in seiner ganzen Geschichte begangen, indem es das goldene Kalb gemacht und verehrt hatte. Dadurch war es der Vernichtung schul\u00addig geworden. Moses weilte aber&nbsp; noch zweimal vierzig Tage vor Gott und flehte f\u00fcr sein Volk um Vergebung dieser schweren S\u00fcnde. Unsere Weisen s.A. weisen aus der Tora nach, dass die letzten vierzig Tage mit dem ersten Tag des Monats Elul anfingen und mit dem zehmten Tag des Monats Tischri endigten; an diesem Tage sprach Gott zu Moses das trostreiche Wort Slichati = ich habe vergeben. Darum setzte Gott diesen Tag f\u00fcr ewige Zeiten als Vers\u00f6hnungstag f\u00fcr Israel ein und bestimmte die neun vorangehenden Tage des Monats Tischri mit Rosch Haschana an der Spitze zur Vorbereitung f\u00fcr den Vers\u00f6hnungstag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. Die besondere Festvorschrift, die wir am Rosch Haschana zu beobachten haben, l\u00e4\u00dft uns die Bedeutung des Festes deutlich erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Tora gebietet uns n\u00e4mlich, an diesem Feste gewisse, durch die m\u00fcndliche \u00dcberlieferung n\u00e4her bestimmte T\u00f6ne eines aus einem Widderhorn gefertigten Instrumentes (Schofar) zu h\u00f6ren. Wenn das Fest auf einen Sabbat f\u00e4llt unterbleibt das Blasen des Schofars, damit nicht veranla\u00dft werde, dass das Instrument n\u00f6tigenfalls von einem Besitzkreis in den anderen getragen werde (56.39); am Sabbat wird darum das Schofar nur im Gebete erw\u00e4hnt. Zuf\u00e4lliges H\u00f6ren gen\u00fcgt nicht; der Blasende sowohl als der H\u00f6rer m\u00fcssen gegenseitig die Absicht haben, dass durch dieses Blasen und Anh\u00f6\u00adren die Vorschrift der Tora erf\u00fcllt werden soll. Der Blasende mu\u00df stehen, und bei den T\u00f6nen, die w\u00e4hrend des Mu\u00dfafgebetes geblasen werden, auch der H\u00f6rer. Wir sollen die Schofart\u00f6ne mit Beherzi\u00adgung des tiefen Sinnes anh\u00f6ren, welcher darin liegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3. Die Bedeutung des Schofars und dieses Festes ergibt sich aus verschiedenen Schriftstellen und aus den Namen des Festes; es hei\u00dft:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">a. Tag der Erinnerung, Jom hasicharon; es erinnert uns durch das Widderhorn an den Gehorsam unseres Stammvaters Abraham, der bereit war, seinen einzigen Sohn Gott zu opfern; es erinnert uns ferner an die unter Schofart\u00f6nen am Sinai geoffenbarte Tora; es lenkt endlich unseren Blick in die Zukunft und erinnert uns an die Verhei\u00dfung, dass Israel einst, wenn der Zweck seiner Zerstreu\u00adung an ihm selbst und an der Menschheit erf\u00fcllt ist, durch Scho\u00adfart\u00f6ne wieder versammelt und vereinigt werden wird. Nach den Worten des Propheten: &#8222;An jenem Tage wird mit dem gro\u00dfen Schofar geblasen werden; da werden kommen, die da verloren sind im Land Aschur und die versto\u00dfen sind im Lande \u00c4gypten, und werden Gott anbeten auf dem heiligen Berge in Jerusalem&#8220; (Jes.27,13) Wenn wir uns aber sagen m\u00fcssen dass wir das alles nicht immer beherzigt haben, so ist dieses Fest<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">b. Tag der Ersch\u00fctterung Jom T`ruah. Die im Altertum allgemein bekannte Bestimmung des Schofars war, zu erwecken, zu ersch\u00fct\u00adtern, vor Gefahr zu warnen, wie die Propheten sagen: &#8222;so man das Schofar bl\u00e4st in der Stadt, sollte da das Volk nicht erschrecken?&#8220; (Amos 3,6). &#8222;Wer den Schall des Schofars h\u00f6rt und l\u00e4\u00dft sich nicht warnen, und das Schwert kommt und rafft ihn hin, der hat sein eigen Blut verschuldet, weil er den Schall des Schofars geh\u00f6rt hat und sich nicht warnen lie\u00df.&#8220; (Jech 33, 4\u20115). Auch uns sollen die Schofart\u00f6ne ersch\u00fcttern bei dem Gedanken an unsere S\u00fcnden und warnen vor der Gefahr die uns durch sie be\u00addroht; das Fest ist ferner<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">c. Tag des Gerichts Jom haDin. Nach der \u00dcberlieferung unserer Weisen s.A. richtet Gott an diesem Tag alle Sterblichen und ent\u00adscheidet am Vers\u00f6hnungstag endg\u00fcltig \u00fcber ihr Geschick, \u00fcber Leben und Tod, \u00fcber Heil und Unheil, je nachdem sie sich bessern oder verstockt bleiben. Die Schofart\u00f6ne rufen uns mit dem Prophe\u00adten (Zeph. 1, 12\u201118) zu: &#8222;Es naht der Tag Gottes, der gro\u00dfe, er naht und kommt sehr schnell heran, ein Tag der Not und Bedr\u00e4ngnis ein Tag der Dunkelheit und der&nbsp; Finsternis, ein Tag des Schofar\u2011 und L\u00e4rmblasens f\u00fcr die, die auf ihr Gold und Silber vertrauen und w\u00e4hnen, Gott belohne nicht die Guten, bestrafe nicht die B\u00f6sen.&#8220; Endlich ist dieses Fest<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">d. Anfang des neuen Jahres Rosch Haschana. Obwohl wir in bezug auf die Reihenfolge der Feste Nissan als den ersten Monat z\u00e4hlen, so ist f\u00fcr uns doch der 1. Tischri der Anfang des b\u00fcrgerlichen Jahres, nach welchem wir die Jahre seit der Weltsch\u00f6pfung rech\u00adnen. Auch diese Bedeutung des Festes bringen die Schofart\u00f6ne zum Ausdruck. Diese galten den V\u00e4tern als ein dem K\u00f6nig dargebrachter Huldigungsruf, wie es hei\u00dft (1.K\u00f6n. 1,34): &#8222;Blaset mit dem Scho\u00adfar und rufet: Es lebe der K\u00f6nig!&#8220; Auch wir huldign durch die Schofart\u00f6ne am Anfang des Jahres aufs neue dem bei allem Wechsel der Zeiten ewigen und unwandelbaren Sch\u00f6pfer und Regierer der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4. Diese durch das Schofar ausgedr\u00fcckte Bedeutung des Festes sprechen wir auch in dem erhabensten unserer Gebete, im Mu\u00dfaf aus: Huldigung Malkiot, Erinnerung Sikaron, Ersch\u00fctterung Schufrot. Wer diese Bedeutung beachtet, wird gewi\u00df die mit dem Fest beginnenden zehn Bu\u00dftage benutzen, um sich durch Besserung seines Wandels (T&#8217;schuwa), durch and\u00e4chtiges Gebet T&#8217;filla) und durch Wohlt\u00e4tigkeit und Almosen (Zedika) auf den Vers\u00f6hnungstag w\u00fcrdig vorzubereiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">5. Trotz der ernsten Bedeutung dieses Festes d\u00fcrfen wir uns an demselben keiner Trauer, keiner betr\u00fcbten Stimmung hingeben, m\u00fcssen es vielmehr wie jedes andere Fest durch Kleider und Mahl ehren und auszeichnen und sollen auf den Allbarmherzigen vertrau\u00aden, der dem Bu\u00dffertigen S\u00fcndenvergebung verhei\u00dfen hat. Es besteht der Gebrauch, am ersten, und wenn dieser auf einen Sabbat f\u00e4llt, am zweiten Tag nach dem Minchagebet an einen Bach oder Flu\u00df, worin Fische sich befinden, zu gehen und dort mit Micha 7, 18\u201120 zu beten, Gott m\u00f6ge unsere S\u00fcnden in die Fluten des Meeres ver\u00adsenken (Tischlich). Das Wasser d\u00fcrfte die Fl\u00fcchtigkeit unseres Daseins versinnbildlichen (2. Sam. 14,14), w\u00e4hrend die Fische uns an den Jakobssegen (1. Mos. 48,16) erinnern und das Bild Israels vor Augen f\u00fchren, Israels, nach welchem die Netze des Verderbens schon so oft ausgeworfen wurden, ohne dass es gelungen ist, ihm beizukommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">6. Es ist allenthalben in Israel Gebrauch, schon w\u00e4hrend des ganzen Monats Elul morgens und abends im Gotteshause durch Scho\u00adfart\u00f6ne das Herannahmen der Bu\u00dfzeit anzuk\u00fcndigen, und nicht nur w\u00e4hrend der Bu\u00dftage sondern schon eine Woche vor Rosch Haschana, oder wenn dieses Fest auf den f\u00fcnften Wochentag f\u00e4llt, vom voran\u00adgehenden ersten Wochentage an, vor Tagesanbruch sich im Gottes\u00adhaus zu versammeln um Bu\u00dfgebete (Slichot) zu verrichten. Einzelne Personen fasten auch an manchen dieser Tage, namentlich am R\u00fcst\u00adtage zum Neujahrsfest. am R\u00fcsttag zum Vers\u00f6hnungstag ist aber das Fasten verboten und bessere und reichlichere Mahlzeit vorgeschrieben. Bei der \u00dcbung des uralten Gebrauchs der Kaporet mu\u00df der Gedanke, diesel\u00adben seien eine Art Opfer, welchen man au\u00dferhalbs Israels vielfach darin suchen wollte, fern gehalten werden. Die Darbringung eines Opfers au\u00dferhalb des Tempels auf Zion ist uns strengstens verbo\u00adten (39,2). Die geschlachteten V\u00f6gel oder deren Geldwert sollen den Armen gespendet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im siebenten Monate, am ersten des Monats soll bei euch Werkein\u00adstellung sein, Erinnerung durch L\u00e4rmblasen, Berufung zum Heilig\u00adtum. 3. Mos. 23. 24.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Geschichtliche Veranlassung. 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