{"id":425,"date":"2020-03-27T16:50:25","date_gmt":"2020-03-27T15:50:25","guid":{"rendered":"http:\/\/alefbet.z-g-a.de\/?p=425"},"modified":"2021-06-06T16:38:58","modified_gmt":"2021-06-06T14:38:58","slug":"beherrschung-unserer-triebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alefbet.de\/?p=425","title":{"rendered":"Beherrschung unserer Triebe"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. Der Stufe der Heiligkeit kommen wir um so n\u00e4her, je mehr wir die von Gott uns anerschaffenen Triebe zu beherrschen verm\u00f6gen, dass sie nicht zu Begierden und Gel\u00fcsten, zu Neigungen und Leidenschaften erstarken, \u00fcber welche wir dann nur schwer Herr werden k\u00f6nnten. Darum spricht Gott im zehnten Wort vom Sinai: Du sollst nicht begehren! Du sollst nicht gel\u00fcsten!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. Nach der \u00dcberlieferung unserer Weisen s.A. \u00fcbertritt das Verbot des Begehrens derjenige, der irgend einen Gegenstand, den ein anderer besitzt und nicht gerne hergeben m\u00f6chte, durch Dr\u00e4ngen und Zureden an sich bringt, wenn er auch die reichlichste Bezahlung daf\u00fcr leistet. Doch noch H\u00f6heres fordert die Tora durch das Verbot des Gel\u00fcstens; dieses \u00fcbertritt derjenige, der in seinem Herzen auch nur dem Wunsch Raum gibt, er m\u00f6chte eines anderen Eigentum in seinen Besitz bringen, wenn er auch gar nichts tut, um es wirklich zu erlangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3. Im Gefolge des Begehrens und Gel\u00fcstens sind noch viele andere S\u00fcnden, vor welchen die heiligen Schriften und unsere Weisen s.A. uns eindringlich warnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht jeder ist dahin zu bringen, dass er sein Eigentum andern \u00fcberl\u00e4\u00dft, selbst nicht gegen Bezahlung (Nabot). Manche Besitzt\u00fc\u00admer, wie k\u00f6rperliche oder geistige Vorz\u00fcge, k\u00f6nnen ihrem Wesen nach gar nicht ver\u00e4u\u00dfert werden. Wird die Begierde nach solch unerreichbarem Gute nicht bei ihrem Entstehen unterdr\u00fcckt, so verwandelt sie sich leicht in Mi\u00dfgunst und Neid&nbsp; (Kin`ah), welche, wie die Beispiele Kajins, der Br\u00fcder Josephs, der K\u00f6nige Saul und Achab beweisen, zu vielen S\u00fcnden f\u00fchren und demjenigen, der sie im Herzen tr\u00e4gt, alle Lebensfreuden, zuletzt Gesundheit und Leben rauben. Darum will die Tora, dass wir keine Begierden entstehen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4. Die Verbote des Begehrens und Gel\u00fcstens beziehen sich zun\u00e4chst auf den Besitz eines Nebenmenschen; wir sollen jedoch auch nicht nach anderen verbotenen Dingen gel\u00fcsten, denn dem Gel\u00fcsten folgt leicht das Begehren, und von diesem ist nur ein schmaler Schritt zum s\u00fcndhaften Genu\u00df. Ja selbst ganz erlaubten Genu\u00df und Besitz sollen wir nicht \u00fcber das Ma\u00df des Bed\u00fcrfnisses hinaus erstreben, denn solches Streben&nbsp; steigert sich leicht zu Habsucht und Geiz, zu Genu\u00dfsucht und Wollust. In einem Herzen aber, in welchem diese Leidenschaften wohnen, kann Heiligkeit (Keduscha) nicht aufkommen, denn nur Gen\u00fcgsamkeit und Enthalsamkeit&nbsp;f\u00fchren zu ihr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">5. Ein Trieb unseres Herzens bedarf ganz besonders der \u00dcberwachung, jener n\u00e4mlich, der uns antreibt, danach zu streben, dass unsere Nebenmenschen uns besonderes Wertsch\u00e4tzung zuteil werden lassen, uns ehren (Ehrtrieb). In seinen Anf\u00e4ngen ist dieser Trieb, wie jeder andere, gut, indem er imstande ist, uns zu edlem Streben anzuspornen. Wird er aber nicht \u00fcberwacht, so f\u00fchrt er bald dahin, dass wir das Gute nur der Ehre willen tun; das ist aber als Anfang der Heuchelei schon verwerflich. Entsteht gar ein Gel\u00fcsten, ein Begehren nach Ehre (Ehrgeiz) in uns, so sind wir, wie Geschichte und Erfahrung zeigen, in Gefahr, viele S\u00fcnden zu begehen. Darum warnen unsere Weisen s.A. vor den drei genannten Leidenschaften: Neid kn&#8217;a, Genu\u00dfsucht&nbsp; und Ehrgeiz kawod, indem sie sagen, diese drei st\u00fcrzen den Menschen ins Verderben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">6. In seiner h\u00f6chsten, verwerflichsten Entartung erscheint der Ehrtrieb als Stolz und Hochmut, welche uns die Tora verbie\u00adtet. \u2011 &#8222;Stolz&#8220; nennen wir die Denk\u2011 und Handlungsweise eines Menschen, der seinen eigenen Wert derma\u00dfen hochsch\u00e4tzt, dass er nicht nur seine Mitmenschen geringsch\u00e4tzt und verachtet, sondern auch Gott die Ehre versagt, indem er sich selbst als den Urheber dessen betrachtet, worauf er glaubt, stolz sein zu d\u00fcrfen. \u2011 Vor dieser verwerflichen Denkweise, die der Gottesleugnung sehr nahe steht, sch\u00fctzen wir uns am besten durch den Gedanken, dass alles, was wir sind und haben, Gottes Gabe und F\u00fcgung ist, dass mensch\u00adlichr Flei\u00df, menschliches Streben nichts ist ohne Gott, dass wir selbst das Gute, das wir tun, umm\u00f6glich verrichten k\u00f6nnten, ohne die von Gott uns verliehenen Mittel; endlich aber, dass alles, was wir Gutes tun, nur gering und wenig ist gegen das, wozu wir verpflichtet sind. \u2011 Die dem Stolze entgegengesetzte Denkweise nennen wir Demut (anawa), die Tugend, welche die Tora besonders unserem Lehrer Moses s.A. nachr\u00fchmt, und welche unsere Weisen dem ber\u00fchmten Tanna Hillel s.A. nachr\u00fchmen. Den Stolz m\u00fcssen wir bis zur \u00e4u\u00dfersten Grenze fliehen, die Demut aber, als die Mutter aller wahren Fr\u00f6mmigkeit, in uns pflegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">7. Die Demut, welche alles duldet, alles tr\u00e4gt, ist eine Eigenschaft, die unser Inneres vor jener Aufregung bewahrt, in welcher wir aufh\u00f6ren vern\u00fcnftig zu denken, menschlich zu f\u00fchlen und f\u00e4hig zu werden, die schwersten S\u00fcnden zu begehen, n\u00e4mlich vor dem Zorne. Den Zorn m\u00fcssen wir meiden bis zu seiner \u00e4u\u00dfersten Grenze, er richtet Leib und Seele zugrunde. Unsere Weisen s.A. lehren: Z\u00fcrne nicht, so wirst du nicht s\u00fcndigen.\u2011 Wer von seinem Zorn sich hinrei\u00dfen l\u00e4\u00dft, etwas zu zerrei\u00dfen oder zu zerbrechen, den betrachte als f\u00e4hig, G\u00f6tzen zu verehren. Wer nicht z\u00fcrnt, wird von Gott geliebt. Der Zorn ist eines der Hin\u00addernisse, welche dem S\u00fcnder die R\u00fcckkehr zu Gott erschweren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Du sollst nicht erl\u00fcsten das Weib deines N\u00e4chsten. Du sollst nicht erl\u00fcsten das Haus deines N\u00e4chsten, noch sein Feld, seinen Knecht, seine Magd, seinen Ochsen, seinen Esel, noch irgend, was deines N\u00e4chsten ist. 5. Mos. 5, 18. 2. Mos. 20,14.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Narren bringt Zorn um, und den Toren t\u00f6tet der Neid. Ijob 5,2.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grausam ist der Zorn, \u00fcberw\u00e4ltigend der Grimm, und wer vermag zu bestehen wider den Neid. Sp. Sal. 27,4.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer Geld liebt, wird Geldes nicht satt, wer \u00dcberflu\u00df liebt, wird nicht Vorteil davon haben. Pred. Sal. 5,9.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Du k\u00f6nntest essen und dich s\u00e4ttigen, sch\u00f6ne H\u00e4user bauen und bewohnen; deine Rinder und Schafe k\u00f6nnten sich vermehren. Silber und Gold sich dir vermehren, und alles, was du hast, sich vermeh\u00adren; dann k\u00f6nnte hochm\u00fctig werden dein Herz und du k\u00f6nntest Gottes, deines Gottes vergessen&#8230;. und in deinem Herzen spre\u00adchen: meine Kraft und die Macht meiner Hand hat mir dieses Verm\u00f6\u00adgen geschaffen. Bleibe darum eingedenk Gottes, deines Gottes, dass er es ist, der dir Kraft gibt, Verm\u00f6gen zu schaffen. 5. Mos. 8, 12\u201118&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor dem Falle \u2011 Stolz, vor dem Sturze \u2011 Hochmut; besser gebeugten Gem\u00fctes bei Dem\u00fctigen, als Gewinn teilen bei Stolzen. Spr. Sal. 16, 18.19.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">La\u00df dein Gem\u00fct nicht schnell z\u00fcrnen, der Zorn wohnt nur im Busen der Toren. Pred. Sal. 7,9.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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