{"id":44,"date":"2020-03-23T11:33:55","date_gmt":"2020-03-23T10:33:55","guid":{"rendered":"http:\/\/alefbet.z-g-a.de\/?p=44"},"modified":"2021-06-07T17:53:34","modified_gmt":"2021-06-07T15:53:34","slug":"die-lehre-der-tora-ueber-gottes-verhaeltnis-zum-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alefbet.de\/?p=44","title":{"rendered":"Die Lehre der Tora \u00fcber Gottes Verh\u00e4ltnis zum Menschen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. Der Mensch ist das vorz\u00fcglichste Gesch\u00f6pf Gottes auf Erden. Die auf der Stufenleiter der Gesch\u00f6pfe Gottes zun\u00e4chst unter dem Menschen stehenden und zuletzt vor diesem erschaffenen Tiere lie\u00df Gott als lebendige Wesen aus der Erde hervorgehen \u2011 Leib und Leben ist bei ihnen eins \u2011 sie geh\u00f6ren ganz der Erde an. Den Leib des Menschen aber bildete Gott selbst aus Erde; dieser Leib hatte jedoch kein Leben; Leben erhielt er erst dadurch, dass Gott ihm den Lebensodem ins Angesicht hauchte. Der Mensch ist demnach ein Doppelwesen, ein der Erde entnommener Leib und ein Gott entstam\u00admender Geist, die Seele. Beide sind miteinander verbunden, aber nicht vereinigt; der Leib lebt durch die Seele, die Seele wirkt durch den Leib.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. Von dieser Art der Sch\u00f6pfung des Menschen sagt die Tora: Der Mensch ist im Ebenbilde Gottes, in \u00c4hnlichkeit mit Gott geschaf\u00adfen; das hei\u00dft: Die Gott entstammende Seele hat Eigenschaften, die den Eigenschaften Gottes in beschr\u00e4nktem Ma\u00dfe \u00e4hnlich sind und durch Ausbildung immer mehr \u00e4hnlich werden k\u00f6nnen; der Leib aber ist von Gott als eine w\u00fcrdige H\u00fclle, als passendes Werkzeug f\u00fcr die Seele geschaffen worden. Der Vorzug des Menschen vor dem Tier besteht also keineswegs nur in der Seele, sondern auch im Leibe. Darum beziehen sich so viele Vorschriften der Tora auf die Reinhaltung, die Ern\u00e4hrungsmittel und Verrichtungen des Leibes. Der Mensch soll stets darauf bedacht sein, dass sein Leib eine heilige Wohnung, ein geeignetes Werkzeug des Gott \u00e4hnlichen Geistes in ihm sei und bleibe; jede Befleckung des Leibes entw\u00fcrdigt und befleckt auch die Seele.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3. Im einzelnen sind besonders folgende Vorz\u00fcge des menschlichen Leibes zu beachten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">a. Die aufrechte Gestalt, das jede Regung der Seele spiegelnde Angesicht und der zum Himmel gerichtete Blick, durch welchen es dem Menschen m\u00f6glich ist, die gr\u00f6\u00dften Wunderwerke des Sch\u00f6pfers, die Himmelsk\u00f6rper, die beredtesten Zeugen seiner unerme\u00dflichen Macht zu betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">b. Der Bau der Glieder, besonders der Hand und der Finger, wel\u00adche, vom Geiste gelenkt und geleitet, gro\u00dfartige Kunstwerke hervorzubringen verm\u00f6gen, Kunstwerke, die Zeugnis davon ablegen, welche wunderbare Macht Gott in der Sch\u00f6pfung der Menschen geof\u00adfenbart hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">c. Die dem Tiere fehlende F\u00e4higkeit, unter jedem Himmelsstriche zu leben, durch welche es dem Menschen m\u00f6glich wird, die Macht, Weisheit und Liebe Gottes allenthalben zu bewundern, jeden Fleck der Erde zum Ruhmestempel Gottes zu weihen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">d. Die h\u00f6chste Auszeichung des menschlichen Lebens ist das Sprachverm\u00f6gen. Nur ein sprechendes Wesen kann ein klar denkendes Wesen sein. Durch die Sprache werden dem Geiste die Vorg\u00e4nge in ihm selber erst klar; durch sie kann er die erkannten Wahrheiten anderen mitteilen und die von anderen erkannten empfangen, und so die Gesamtheit aller menschlichen Erkenntnisse Gemeingut aller werden. Erst der mit der Sprache begabte Mensch war f\u00e4hig, g\u00f6tt\u00adlicher Offenbarung gew\u00fcrdigt zu werden und im Gebet mit seinem Sch\u00f6pfer in Verbindung zu treten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4. Die Gott \u00e4hnlichen Eigenschaften der Seele des Menschen sind folgende:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">a. Das Erkenntnisverm\u00f6gen, dessen h\u00f6chste Stufe die Vernunft ist; durch sie vermag der Mensch den Gesetzen und Kr\u00e4ften der Natur nachzusp\u00fcren, die Bahnen der Gestirne zu messen und aus den sichtbaren Gesch\u00f6pfen einen unsichtbaren Sch\u00f6pfer zu ahnen. Die vielen Wahrheiten, welche auf dem Gebiete<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">der verschiedenen Wissenschaften durch menschliche Forschung im Laufe der Zeit entdeckt worden sind, haben einen Teil des g\u00f6ttli\u00adchen Allwissens auch dem Menschen errungen; die Tora allein ist nicht der menschlichen Vernunft entstammt; aber indem der mensch\u00adliches Geist sich in die Tiefen des Gotteswortes versenkt, wird er selbst Eigent\u00fcmer eines Teiles der Allweisheit Gottes. So k\u00f6stlich ist die Gottesgabe der Vernunft, dass der Dank f\u00fcr sie, die Bitte um sie, die erste Stelle in unserem Gebete einnimmt ().<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">b. Das Gef\u00fchlsverm\u00f6gen; diesem Verm\u00f6gen geh\u00f6rt besonders auch die Freude an, welche wir an allem Edlen, Guten und Sch\u00f6nen, nament\u00adlich an der Sch\u00f6nheit der Werke Gottes (Ps. 92,5) empfinden; durch diese Freude sind wir Teilhaber der Seligkeit Gottes, der sich (Ps. 104,31) seiner Werke freut. Das Gef\u00fchl, welches uns an Leid und Freud unserer Mitgesch\u00f6pfe Teilnahme empfinden l\u00e4\u00dft, das sich bis zu einer der Selbstaufopferung f\u00e4higen Liebe zu unseren Mitmenschen steigern kann, ist nichts anderes als ein Funke der G\u00fcte und Liebe Gottes, der in uns glimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">c. Das Gewissen, welches uns zum Guten r\u00e4t und das B\u00f6se uns verwerflich erscheinen l\u00e4\u00dft, das uns durch Freude belohnt, wenn wir das Gute getan, uns durch Kummer und Betr\u00fcbnis straft, wenn wir das B\u00f6se ver\u00fcbt haben, es ist ein Strahl von Gottes Heilig\u00adkeit und Gerechtigkeit, welchen er mit der Seele uns eingehaucht hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">d. Auch an der Ewigkeit Gottes hat die Seele Anteil, denn sie ist unsterblich; der Tod trennt sie zwar vom Leibe, sie steigt aber nicht, wie mit dem Tiere sein Leben, mit ihm ins Grab, sondern sie lebt fort und erscheint vor ihrem Sch\u00f6pfer, um f\u00fcr ihre guten Werke den Lohn, f\u00fcr ihre S\u00fcnden die Strafe zu empfangen, soweit dieses nicht schon w\u00e4hrend des Erdenlebens geschehen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den heiligen Schriften deutlich ausgesprochen und, nach der \u00dcberlieferung unserer Weisen s. A. (Synh. 90 b), mehrfach auch in der Tora angedeutet ist die Lehre, dass die im Tode vom Leibe getrennte Seele einst in einer nur Gott bekannten Zeit mit dem Leibe wieder vereinigt werden wird. (Die Auferstehung der Toten, Techijat hametim).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">e. Die h\u00f6chste W\u00fcrde hat der Sch\u00f6pfer dem Menschen dadurch ver\u00adliehen, dass er ihm einen Teil seiner Freiheit gab, die Freiheit des Willens. Das Tier folgt gezwungen seinem Naturtrieb, seine Tat hat darum keinen (sittlichen) Wert. Die Sanftmut des Schafes und die Grausamkeit des Tigers sind ganz gleichwertig; diese ist kein Laster, jene keine Tugend. Die Tat des Menschen aber ist Sache seiner eigenen freien Wahl. Darum haben die Taten des Menschen einen (sittlichen) Wert. Die gute Tat bringt den Men\u00adschen Gott n\u00e4her, macht ihn Gott \u00e4hnlicher und ist der Belohnung w\u00fcrdig; die b\u00f6se Tat dagegen entfernt den Menschen von Gott, dem Heiligen und verdient die Strafe des Allgerechten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch die Willensfreiheit ist also dem Menschen, dem einzelnen wie der Gesamtheit, die M\u00f6glichkeit gegeben, durch eigene Kraft, durch eigenes Ringen immer vollkommener und Gott \u00e4hnlicher zu werden, w\u00e4hrend bei dem Tiere das einzelne ebensowenig wie eine ganze Gattung einer wesentlichen Vervollkommnung f\u00e4hig ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">5. Eines fehlte noch dem mit diesen Gaben ausger\u00fcstieten Men\u00adschen, eines, das ihm nicht anerschaffen sein durfte, wenn ihm seine h\u00f6chste W\u00fcrde, die Freiheit des Willens, gewahrt bleiben sollte: Noch kannte er Gott und dessen Willen nicht, noch wu\u00dfte er nicht, was nach Gottes Willen gut oder b\u00f6se ist. Dieses Wissen mu\u00dfte ihm von au\u00dfen kommen; anerschaffen h\u00e4tte es, wie der Natur\u00adtrieb beim Tiere, die Freiheit des Willens aufgehoben. Diesen Mangel, der die h\u00f6chste Vollkommenheit des Menschen ausmacht, ersetzte der allg\u00fctige und allweise Sch\u00f6pfer durch die Offenba\u00adrung, d.h. durch die \u00fcbernat\u00fcrliche, unmittelbare Mitteilung, welche Gott \u00fcber sein Wesen und seine Willen dem Menschen machte. Die Offenbarung ist demnach eine notwendige Erg\u00e4nzung des Men\u00adschen, der Abschlu\u00df des Sch\u00f6pfungswerkes, der Anfang der g\u00f6ttli\u00adchen Weltregierung. Darum f\u00fcgen unsere Weisen s.A. an den ersten Vers der Tora, der vollkommensten Offenbarung, die tiefe Bemerkung: Die Welt ist nur um der Tora willen erschaffen worden. Die Bestimmung des Menschen ist demnach keine andere, als die freiwillige Erf\u00fcllung des ihm geoffenbarten g\u00f6ttlichen Willens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">6. Der so ausger\u00fcstete Mensch lebte im Zustand des h\u00f6chsten irdischen Gl\u00fcckes und himmlischer Seligkeit; denn er lebte in Gottesn\u00e4he und war im Genusse der Erdenfr\u00fcchte nur durch ein Verbot eingeschr\u00e4nkt. Von Eden aus sollte sich sein Geschlecht \u00fcber die ganze Erde ausbreiten, sie zum Paradies umschaffen und alle irdischen Gesch\u00f6pfe nach Gottes Willen seinen Zwecken dienstbar machen Ohne die S\u00fcnde w\u00e4re die ganze Erde ein Eden geworden. Aber der willensfreie Mensch gehorchte nicht Gott, sondern der Schlange, die seinem Unglauben schmeichelte: Ihr werden nicht sterben! seinem Vernunftd\u00fcnkel: Ihr werdet Gott gleich werden! seiner Sinneslust: Wie schon zum Anschauen, wie gut zum Essen! Da schlo\u00df sich hinter dem Menschen die Pforte des Paradieses und Fluch traf die Erde, doch zum Heile des Menschen. In Leiden und schwerem Kampfte um sein Brot sollte er seine Triebe beherrschen, seine Abh\u00e4ngigkeit von Gott f\u00fchlen lernen. Doch l\u00e4\u00dft Gott den Weg zur R\u00fcckkehr nach dem Paradiese f\u00fcr die Menschheit bewachen (1.Mose 3,24), sie soll, sie wird sich zu\u00adr\u00fcckringen. Ihr F\u00fchrer sollte Israel, der Wegzeiger die Tora werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gott der Herr bildete den Menschen, Staub von der Erde und hauch\u00adte in sein Antlitz Odem des Lebens, so ward der Mensch ein leben\u00addiges Wesen. 1.Mos. 2,7.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gott sprach: Wir wollen einen Menschen machen in einer unser w\u00fcrdigen H\u00fclle, wie es unserem Ebenbilde entspricht. 1.Mos. 1,26.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er (Gott) machte uns kl\u00fcger als die Tiere der Erde, weiser als die V\u00f6gel des Himmels. IJob 35,11).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Du hast ihn (den Menschen) den Engeln wenig nachgesetzt und mit Herrlichkeit und W\u00fcrde gekr\u00f6nt. Du machtest ihn zum Beherrscher deiner H\u00e4nde Werk, alles legtest du ihm zu F\u00fc\u00dfen. Ps. 8. 6\u20117).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Siehe, ich habe heute das Leben und das Gute, den Tod und das B\u00f6se vor dich hingelegt&#8230; W\u00e4hle das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen. 5.Mose 30. 15, 19.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Staub kehrt zur\u00fcck zur Erde, was er war, der Gesit aber kehrt zur\u00fcck zu Gott, der ihn gegeben. Pred. Sal. 12,7.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seite 21 Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Ehre (Seele), selbst mein Leib wird ruhig liegen, dass du meine Seele dem Grabe nicht \u00fcberl\u00e4ssest, deine Frommen nicht hingibst, Verwesung zu schauen. Du machst mir kund den Weg zum Leben, der Freuden F\u00fclle ist vor deinem Angesichte, Seligkeit in deiner Rechten ewiglich. Ps. 16, 9\u201111.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele von den im Erdenstaube Schlafenden werden erwachen, diese zum ewigen Leben, jene zur ewigen Schmach und Schande. Die, welche nach Weisheit gestrebt, werden gl\u00e4nzen wie des Himmels Glanz, die aber, welche viele zur Fr\u00f6mmigkeit angeleitet haben, wie die Sterne, ewiglich und immerdar. Dan. 12. 2,3.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Der Mensch ist das vorz\u00fcglichste Gesch\u00f6pf Gottes auf Erden. 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